30.10.2009 um 20:00 Uhr
Michael Donhauser liest Gedichte und stellt seine soeben unter dem Titel "Nahe der Neige" erschienene Poetik vor.

Foto: Ute Schendel

 

Die Gedichte von Michael Donhauser sind Grenzgänge, sie vertrauen sich nicht schlechthin einem lyrischen Sprechen an, sondern finden zu Formen, welche bald nahe der Prosa, bald nahe dem Gesang ein Sagen jenseits der Metapher suchen.

 

 

Und der Abend, das Verlangen, zu bewahren

all das Sehen, zu empfangen, was da blühte

als die Dahlien nah den Beeten, sich enthüllte,

so als würde, wäre Schein all dies Leben in den

Gärten, wo die Farben sich vermehrten.

(Donhauser, Schönste Lieder, S.52)

 

 

Pressestimmen:

 

"Donhauser gilt als Einzelgänger im Literaturbetriebe. Unbekümmert um Moden und Tendenzen hat er den Widerspruch zu seiner Sache und ästhetisch fruchtbar gemacht. Seine stille, wortsensible Dichtung setzt Gegenzeichen zum Geist der Zeit, indem sie nach neuen Wegen sucht"

 

Vom Sehen
"Und tatsächlich ist hier eine Offenheit am Werk, die Text für Text den Eindruck entstehen lässt, «als wäre selbst die Erkenntnis ein naturhafter Vorgang» – weniger der Akt eines Willens denn die Art eines Werdens. So folgt die Gliederung des Bandes in sorgfältig austarierter Ungleichmäßigkeit weder der Chronologie noch der Thematik der einzelnen Texte. Vielmehr bildet sie ein rhythmisches und motivisches Muster, das jedem kleinen Gefüge aus Natur-, Landschafts- oder Liebesbetrachtungen stets eine essayistische Reflexion zu literarischer Tradition, übersetzerischem Verfahren, zu kunst- oder musikhistorischer Anverwandlung zuordnet: Auf Erkundungen rings um «Die Stechpalme» und tagelanges Inbanngezogenwerden durch «Die Hecke» folgt so der erwähnte Aufsatz zu Stifters «Instandsetzung des Glücks»."
(Mirko Bonné, Frankfurter Rundschau, 2. März 2005)
Schönste Lieder
"Wiewohl diese Gedichte auf kleinem Fuss leben und ohne rhetorischen Lärm, ohne die sogenannt «reiche» Sprache auskommen, wird es nie eng in ihnen. Die Wörter bewegen sich fast ohne syntaktische Fesseln im Textraum und können sich buchstäblich untereinander austauschen. Knirschende Satzgelenke, hierarchische Strukturen findet man kaum. Dafür das unbestimmte «und», das ebenso als Brücke wie als Bruch aufgefasst werden kann."
(Samuel Moser, Neue Zürcher Zeitung, 12./13. Januar 2008)

 

Auszeichnungen:

- Josef Gabriel Rheinberger-Preis 1988
- Manuskripte-Preis 1990
- Christine Lavant Lyrikpreis 1994
- Mondseer Lyrikpreis 2001
- Christian-Wagner-Preis 2002
- Meraner Lyrikpreis 2004
- Ernst-Jandl-Lyrikpreis 2005

 

Eintritt: 8 € / 6 €