Bücherbote November 2007

Melville, Herman: Mardi und eine Reise dorthin.

Übers. und kommentiert von Rainer G. Schmidt. 2 Bde.

Achilla Presse 1997                  47,00 €

 

Im ersten Viertel des Romanes werden wir Zeugen einer seltsamen Rundreise um die vielen verstreuten Inseln eines Südseeatolls, lernen die Riten der Eingeborenen kennen und lauschen den wahnwitzigen und obskuren Gesprächen der Protagonisten. Doch vor dem Hintergrund dieses exotischen Reiseberichts aus der Südsee wird die eigentliche Idee Melvilles, eine allumfassenden Beschreibung des Menschen und seiner Welt, entwickelt.

 

Rainer G. Schmidt erhielt 1998 für diese Übersetzung den Paul-Celan-Preis.

 

 

 

Melville, Herman: Clarel. Gedicht und Pilgerreise im Heiligen Land.

Übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Rainer G. Schmidt.

672 S. Jung und Jung 2006                     44,00 €

 

Herman Melvilles gewaltiges Versepos erscheint hier zum ersten Mal in deutscher Sprache.
4 Teile, 150 Cantos und etwa 18000 Verse - Herman Melvilles Versepos Clarel ist fraglos das gewaltigste Gedicht der amerikanischen Literatur und zugleich das unbekannteste. Hundert Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung in einer Auflage von 330 Exemplaren auf Kosten des Autors erschienen, erwies es sich als ein weiterer Fehlschlag in der literarischen Karriere Melvilles, der zu jener Zeit bereits zehn Jahre als Zollinspektor im Hafen von New York arbeitete. Clarel, ein junger amerikanischer Student, unternimmt eine Reise nach Jerusalem. Dort verweben sich biblische Vorzeit und Jetztzeit, dort verknüpfen sich alle gesehenen und imaginierten Landschaften und alle Seelenbestrebungen zu einem großartigen Teppich von melancholischer Wortpracht. Grandiose Wüstenszenerien und Südseereminiszenzen vermischen sich mit Phantasien von antiker Freuzügigkeit und asketischen Modellen von Christentum und Islam. Clarel ist ein Traumspiel, worin Zeiten, Mythen und Stoffe zu einer schillernden poetischen Präsenz gebündelt werden. In der vollständigen Übersetzung von Rainer G. Schmidt kommt dieses Wunderwerk endlich auch im Deutschen zu seinem Recht.

 

 

 

Melville, Herman: Reisetagebücher.

Reise von New York nach London 1849. Reise ins Heilige Land 1856/57. Reise an Bord des Schiffes 'Meteor' 1860. Mit Briefen u. Dokumenten. Übertr. u. kommentiert v. Alexander Pechmann.

380 S. Achilla Presse 2001.                     24,00 €

 

Herman Melvilles Reiseaufzeichnungen aus den Jahren 1849 bis 1860 führen den Leser von New York nach London, durch Deutschland und Frankreich, nach Paris und Rom, zu den Häfen der Levante und in die labyrinthischen Gassen Konstantinopels, zu den ägyptischen Pyramiden, nach Jerusalem und zum Toten Meer, schließlich mitten hinein in einen Sturm vor Kap Hoorn. Anhand der Schilderungen wird deutlich, wie viel an persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen in sein literarisches Werk eingeflossen sind. Ebenso zeigt sich die enge Verbindung der philosophischen und existenziellen Fragen in Romanen wie Moby-Dick und Mardi mit den Obsessionen des Autors. Dies ist die erste vollständige deutschsprachige Ausgabe der Reisetagebücher.

 

 

 

Delbanco, Andrew: Melville. Biographie.

469 S. mit Abb. Hanser 2007                     34,90 €

 

Endlich erscheint die große Biographie Melvilles, eines der bedeutendsten Schriftsteller der frühen Moderne. Sein Moby-Dick wurde zum Mythos, sein Leben als gescheiterter Schriftsteller und Zollbeamter im New Yorker Hafen zur Legende. Andrew Delbanco zeichnet Melvilles Leben nach, erläutert sein Werk und entwirft dabei ein grandioses Panorama Amerikas im 19. Jahrhundert. Nie ist so genau gezeigt worden, aus welchen Umständen das so unvergleichliche, revolutionäre Werk Melvilles entstanden ist.

 

 

 

Hugo, Victor: Die Arbeiter des Meeres.

Aus dem Französischen von Rainer G. Schmidt. 667 S. mit

zahlr. Abb. nach Tuschzeichnungen von Victor Hugo auf Tafeln.

Achilla Presse 2003.                          40,00 €

 

Dieser Roman beweist „ mit Glanz, Orkan und Gloria zu welchen Erschütterungen, ja Herrlichkeiten Literatur fähig ist“. (Brigitte Kronauer)

 

 

 

Melville, Herman: Maskeraden oder Vertrauen gegen Vertrauen.
Aus dem Amerikanischen u. mit Anmerkungen versehen von Christa Schuenke.

552 S. Achilla Presse 1999.                                 27,00 €

Maskeraden ist ein Buch über eine Reise ohne Ziel und ohne Zukunft. Mehr als dreißig Jahre vor Melvilles Tod entstanden, ist es eine Art frühzeitiges Vermächtnis: Als am Ende des ersten Tages über dem Schiff die Dunkelheit hereinbricht, hat der Confidence-Man sich immer noch nicht zu erkennen gegeben. Hinter seinen Maskeraden, so beginnt man zu ahnen, verbirgt sich das reine Nichts. „Und wer weiß“, lautet der letzte Satz, mit dem das Buch unvermittelt und offen abbricht, „wer weiß, was noch für Maskeraden kommen werden… Heute gilt Maskeraden als sein radikalstes und modernstes, als sein amerikanischstes Werk, ein Werk, das einige der widerständigsten Bücher der zweiten Jahrhunderthälfte antizipieren sollte: Ralph Ellisons Der unsichtbare Mann, William Gaddis‘ Die Fälschung der Welt und V, den ersten Roman von Thomas Pynchon.“ (Norbert Wehr)

 

 

Forster, Georg: Reise um die Welt.

Illustriert von eigener Hand.Mit einem biographischen Essay von Klaus Harpprecht u. einem Nachwort von Frank Vorpahl. 645 S. mit farbigen Illustrationen und ausklappbaren Tafeln.

Eichborn 2007 .                          79,00 €

 

Der Weltumsegler und Forscher, der Schriftsteller, der Aufklärer, der Revolutionär Georg Forster ist der geheime, der verdrängte, der unterschlagene Klassiker der deutschen Literatur. Als sein bildmächtiger Bericht von James Cooks Weltumseglung seinem erstaunten deutschen Publikum vorgelegt wurde, sprach Wieland von einem "der merkwürdigsten Bücher unserer Zeit": Zwischen sachlichem Bericht und episch-dramatischer Verve changiert der Ton, immer wieder unterbrochen von philosophischen Reflexionen, in denen Forster die Grundelemente des Menschseins an der sozialen Wirklichkeit misst.

 

 

 

Michelet, Jules: Das Meer.

Vorwort von Michael Krüger. Übers., hrsg. u. mit einem aktuellen Nachwort von Rolf Wintermeyer. 357 S.

Campus 2006.                         19,00 €

 

In diesem klassischen Text aus dem 19. Jahrhundert beschreibt Jules Michelet sprachgewaltig und poetisch das Meer als gigantisches Naturphänomen und zwar nicht nur unter seinen biologischen und geographischen Aspekten, sondern immer auch gleichsam von innen, aus der unmittelbaren Begegnung. Schaudernd lernen wir beim Lesen die Faszination des Meeres als bedrohliche Naturgewalt kennen, erleben es aber auch als Ort der Erholung und als Nahrungslieferant und Wirtschaftsfaktor. Ein Meisterwerk der Naturgeschichte und ein packendes Leseerlebnis.

 

 

 

Schichten der Nacht.

Arnulf Rainer: Victor–Hugo–Übermalungen

Victor Hugo: Zeichnungen

Hrsg. von Barbara Catoir und Andrea Firmenich

DuMont 2001 190 S. mit zahlr. Abb.                         24,80 €

 

Arnulf Rainer, der wohl bedeutendste Künstler Österreichs nach 1945, hat den Weg zwischen Emotion und Konstrukt, zwischen Psyche und Rationalität beschritten. Rainers Schaffen vollzieht sich gerne in Serien. Jedes gestellte Thema wird wieder und wieder durchgespielt, Variationen entstehen, die zugleich Unsicherheit, aber auch Positivierung und Kontrolle bedeuten. Quantität in hoher Qualität wird dokumentarisch erfasst, Zwischenstandpunkte werden bezogen, wieder verworfen, die Arbeiten werden wieder überarbeitet, die Bilder verändert; das Nichtakzeptieren des Jetzt als einen Zustand von bereits Vergangenem wird permanentes Streben.“ (Dieter Ronte)

 

 

 

G. Zigaina: In die Lagune. Deutsch v. K. Fleischkanderl. Mit Fotos. Folio 2006.                         19,50 €

 

Viel dreht sich in diesem Erzählband um Erinnerung. In der zweiten Geschichte beschreibt Zigaina sein Elternhaus, Anfang- und Endpunkt der Lagunen-Abenteuer, die er in der Folge schildert. „Es war sehr einfach: drei Fenster und ein Tor, wie auf einer Kinderzeichnung.” Das Haus lag direkt am Fluss. Dort beginnt die Ur-Erkundungsfahrt auf dem Wasser, die Zigaina als kleiner Junge mitmacht: die „Wallfahrt nach Barbana” bei Grado, von dem die nur wenige Kilometer entfernten Landbewohner damals in heißen Sommernächten wie von einer nie erreichbaren Traumstadt sprachen. Mit einer schönen Mischung aus Detailreichtum und Zurückhaltung beschreibt Zigaina die Leute, mit denen er fährt, und erst recht die sich verändernde Natur auf dem Weg: die seltener werdenden Holunderbüsche, die ersten Akazien, die Tamarisken-Wäldchen in der Nähe der Mündung. Die ganze Erzählung ist bestimmt von einer Poetik der Sanftheit, der alles Aufgesetzte fehlt. Die immer neuen

Abschweifungen, die sich aus Assoziationen ergeben, wirken wie Entsprechungen der langsamen, gleitenden Bewegung der Boote auf den Kanälen.“

(H.-P. Kunisch in: SDZ 20.2.07)

 

 

 

Anjel, Memo: Das Fenster zum Meer. Erzählungen.

Deutsch von P. Schultze-Kraft u.a. 2007.                         18.00 €

 

Memo Anjel hat einmal gesagt, er habe zwei Kulturen: eine jüdische und eine tropische. Diese faszinierende Mischung zeichnet auch die hier vorgelegten Erzählungen aus und macht den Autor zu einer einzigartigen Erscheinung in der lateinamerikanischen Literatur. So führt er uns mit der Titelerzählung und der Kurzgeschichte "Die Hauskatze" in den Lebensraum seiner sephardischen Vorfahren und mit "Ein Tag für den Johnny" in die sinnliche Welt der karibischen Küste.
Alles, was Memo Anjel auf seinen Wegen auffällt, versteht er durch längeres Hinsehen und ein kleines Verrücken der Realität in Literatur zu verwandeln.
Die Operation seiner kleinen Tochter María José in Medellín nimmt ihn nicht nur seelisch mit, sondern macht das zermürbende Warten im Krankenhaus zu einem surrealen Abenteuer. Der Besuch von Christian Brückners zehnstündiger Marathon-Lesung am 23. Juni 2002 in Frankfurt am Main wird für ihn Anreiz zu einer literarischen Hommage an "die Stimme". Bei einem abendlichen Bier in einer Schwarzwald-Gaststube entdeckt er die unheimliche Doppelnatur des dicken Wirts. Beim Beobachten von Abfall fressenden Leguanen in der Tierra caliente Kolumbiens geht ihm eine selbstkritische Erkenntnis auf.
Vierzehn Erzählungen von der Magie des Menschlichen.

 

 

 

Jancar, Drago: Luzias Augen. Erzählungen.

Übertr. Klaus D. Olof u. Daniela Kocmut . Folio 2005.                         19,50 €

Die banale Niedertracht der neureichen Elite resümiert Jancar mit geradezu idyllisch anmutendem Sarkasmus, als würde das Geplänkel einzig und allein auf den Schlusssatz der Erzählung "Unsichtbarer Staub" hinführen. Das Resümee ist dann trotzdem überraschend: "Das ist der Staub des leichten Schwachsinns, der jede Nacht fällt und den tagsüber der Wind verweht." Damit wird nicht billiger Moralismus in kosmischen Dimensionen - mit Staub ist die mythische Substanz "Sternenstaub" gemeint - betrieben, sondern bewiesen, dass man Samuel Becketts Prosa nochmals ironisieren kann: und zwar durch Erzählen. …“ Erich Klein ORF 9.12.2005

 

 

 

Consolo,Vincenzo: Retablo.

Roman .Übers.: Maria E. Brunner. Folio 2005.                         19,50 €

 

Wie in anderen Romanen Consolos geht es nicht zuletzt um eine Reise und damit um die Variation eines klassischen sizilianischen Motivs: nämlich das der Rückkehr nach Sizilien. Consolo, der wie die Mehrzahl der sizilianischen Schriftsteller seine Insel verließ - von Verga über Pirandello bis zu Vittorini war das eine gängige Praxis - und seit Jahrzehnten in Mailand lebt, aber beständig zwischen Palermo und der lombardischen Metropole unterwegs ist, formuliert mit seinem Helden: "Warum reisen wir, warum kommen wir bis zu dieser fernen Insel?... der wahre Grund ist, dass wir unzufrieden sind mit der Zeit sind, in der wir leben... Immer ist das Reisen Abstand... ein Träumen. Noch stärker gleicht dem Träumen jedoch das Schreiben... Und ein Träumen in seiner höchsten Form ist schließlich das Schreiben über eine Reise." (M. Albath, Deutschlandradio 3.1.2006)